Dienstag, 4. August 2015
Samstag, 14. März 2015
Kuba

Mit Airfrance über Paris nach Havanna. das Zigizagi für den Frosch-Koch bleibt aus, aber immerhin applaudiert man noch bei der Landung, das hatten wir schon lange nicht mehr! Die klatschenden All-Inclusive-Varadero-Trottel verstummen dann aber schnell, als wir alle nach dem langen Flug spätabends bei 42 Grad ohne Aircondition über 2h in der Schlange stehen, um endlich zu Frau Immigration vorgelassen zu werden. "Nein, mein Schätzchen, wir haben kein Ebola, aber danke der Nachfrage!" Die nächste Herausforderung besteht darin Geld zu wechseln, denn die Schlange vor der Wechselstube ausserhalb des Airports ist etwa 20m lang - sprich 2h. Es gibt zwar noch zwei weitere staatliche Wechselstuben im Gebäude drin und dort steht kein Mensch an, aber dies mitzuteilen ist den Angestellten nicht in den Sinn gekommen. Sabrina findet's aber raus und schon haben wir die Kohle. Ich mache indes "Unter der Hand" ein Taxi klar. Der Typ fährt los und nach zwei Kilometern hält er plötzlich im absoluten Dunkel an um uns zu sagen, dass wir nun ins Taxi seiner Kollegen umsteigen müssten, die da gaaaanz per Zufall im Wäldchen stehen. Ja bravo, werden wir nun schon am ersten Abend ausgeraubt? Auf uns wartet ein 1952er Ford, der seinen 3. Motor verpasst gekriegt hat, über 2 Millionen Kilometer auf dem Buckel trägt und seine 18 Liter schluckt.





Wir finden nach einigem Verhandeln ein Taxi, welches uns ins 2,5h entfernte Morón bringen sollte. Dies wäre an und für sich kein Problem. Dass wir allerdings direkt hinter einem nationalen Velo-Rennen auf die Hauptstrasse einbiegen, ist dann gelinde gesagt suboptimal. Schaut euch auf den Fotos mal den verschärften Teambus der „Ciclistas de Cuba“ an

Gegen Ende unserer Tour wollen wir noch etwas Strandferien machen und so beziehen wir Quartier im Touristen-Mekka Varadero. Diese Halbinsel hat mit Kuba etwa gleich viel zu tun wie Peach Weber mit Komik. Hier steht ein Hotel Bunker am anderen. Es hat Bars, Pubs, Restaurants und mehr Souvenir Shops als am Weggiser Brocante. Einheimische sieht man hier kaum und die Polizei kontrolliert jeden Kubaner der dem Strand entlang geht. Die Preise sind deutlich höher als im Rest des Landes und hier hat nun auch schon der Kapitalismus Einzug gehalten. Die Ersatz Amis – sprich die Kanadier – füllen im All Inclusive Hotel ihren 1L Thermos-Krug mit Mojito und gehen dann so aus in die Clubs :-) Lustig ist’s trotzdem und wir machen in unserem Casa gute Bekanntschaften.

So long.
Pfnueli Sabrina
Dienstag, 23. Dezember 2014
Andalusien
Wir sollen uns selber eine Parzelle aussuchen, merken dann aber bald, dass es schon sehr eng ist, auf dem Camping La Garrofa und Privatspähre eher nicht zu den Stärken des ältesten Campingplatzes Spaniens gehört. Naja, ist ja nur für eine Nacht... Unsere Nachbarn sind Australier und sonst hat's einige Briten, Holländer und Deutsche - alles ganz normal eigentlich... wäre da nicht der Schweizer in der ersten Reihe, der anscheinend zwei Wochen Heimat-Urlaub macht, es aber offensichtlich nicht fertig bringt, in der Zwischenzeit sein Wohnmobil auf eine der hinteren Parzellen zu stellen, damit jemand anderes auf den Top Platz kann. Silbern umrahmtes Nummernschild, 5 stellige Nummer, Kantonswappen blau-weiss... ihr ahnt es: ZH! Abends essen wir im campeigenen Restaurant zusammen mit unseren australischen Nachbarn und die finden den in der Mitte noch gefrorenen Schwertfisch einfach "amaaaziiiing!" Naja immerhin können wir den drohenden Dünnpfiff mit einer tüchtigen Portion Brandy abwenden und da der Koch&Barman Jésus heisst, kommen wir auch schon ein wenig in Weihnachtsstimmung. Der Versuch, einen Fisch aus dem Mittelmeer zu fangen, endet anderntags in einer Köder-Rettungsaktion, was zwangsläufig zum ersten Einsatz der Badehose führt. Jim und Mo, die freundlichen Engländer auf Paradeplatz Nr. zwei, leihen mir glücklicherweise Schnorchel und Brille und empfangen mich danach mit einer warmen Mixtur aus Kaffee und Baileys. Irgendwie scheinen sich alle hier zu kennen. Wir erfahren, dass La Garrofa den Beinamen "Hotel California" trägt: you can check out any time you like, but you can never leave. Denn obwohl die meisten hier nur für eine Nacht einchecken, bleiben sie für mehrere Wochen, ja gar Monate hier hängen.
Auch uns gefällt es sehr gut und ehe wir uns versehen, stolpern wir allabendlich in eine Art "anyone can play guitar Festival" und jodeln uns mitten in die La Garrofa Familie. Dass dabei auch die ein oder andere Flasche Rioja ihren Weg in die ewigen Jagdgründe findet, ist den Gesangskünsten zu-, den Abfahrtsplänen aber eher abträglich. So schaffen wir den Absprung erst nach 10 Tagen und verlassen dieses Paradies schweren Herzens. Mit dem griesgrämigen Schotten Malcolm übrigens, haben wir uns mittlerweile nicht nur angefreundet, sondern seine Abschiedsworte: "Fuck off you bloody Suiza - make damn sure you come back next year...", gelten unter Garrofianern als echter Liebesbeweis.
Dann geht's in die Berge. Entlang der weissen Gipfel der Sierra Nevada steuern wir Granada, der einstigen Maurenhochburg entgegen. Die Alhambra de Granada gehört zweifellos zu den 100 "must-see-before-you-die" Orten und so lassen wir uns anderntags standesgemäss per Taxi zu diesem Relikt morgenländischer Baukunst chauffieren.
Haben sie sauber hingekriegt, die Muselman(n)en und wenn da nicht die Christen noch 500 Jahre reingefunkt hätten, wäre Mekka wohl heute wie Stan Wawrinka im Schweizer Tennis... cool, aber leider die ewige Nr. 2. Die Aussicht von der Zitadelle über die Altstadt ist echt granata!
Auf dem Weg nach Malaga machen wir einen Abstecher zu den Bergdörfern der Alpujarras. Terence kommt ganz schön ins Schwitzen doch die 150 Rösser machen sich bezahlt und wir erklimmen die entlegensten Täler, fernab vom Massentourismus. Die kleinen Siedlungen aus typisch weissgestrichenen Häusern scheinen wie von Gottes Hand an die steilen Berghänge geklebt. Die engen Gassen beherbergen urige Kneipen, wo das Bestellen des "Menu del día" die Konfrontation mit getrockneter Blutwurst beinhalten kann und der Wein noch aus dem Fass gezapft wird. Hier oben ist es mit 16 Grad allerdings wie im Schweizer Hochsommer - also definitiv zu kalt und deshalb zieht es uns zurück an die warme Küstenregion.
Ein Bummel durch Malagas Altstadt führt uns vorbei an mindestens 50 Schuhläden. Vorbei? fragt ihr euch? Tja - gutes timing. Zur Siesta sieht's hier nämlich aus wie am Oktoberfest nach 23:00 Uhr - wegen zu geschlossen. Wir tun, was man in solchen Situationen immer tun sollte: Kneipentour. Zu jedem alkoholischen (!) Getränk, gibt's hier übrigens gratis Tapas. Da wird der Spruch "fünf Bier sind auch eine Mahlzeit" seinem Sinn endlich mal gerecht. Sich zu betrinken, stellt dabei eine besondere Herausforderung dar - wir nehmen sie an. Dass ein Bier allerdings gerade mal einen schlappen Euro kostet und man die Tapas à la carte dazu bestellen kann, lässt uns jedoch an der Kosten-Nutzen-Rechnung Spanischer Gastronomie zweifeln.
Das mit der Sonne ist dann so eine Sache. Der nächtliche Nieselregen entlockt uns ein müdes Lächeln, der morgendliche Dauerregen bringt Stirnfalten, der mittägliche Hagel Entsetzen und die quasi-Flutung des Campingplatzes zwingt uns zur kurzzeitigen Evakuation. Die letzten Regentropfen weichen, als wir die zweigeteilte Stadt Ronda erreichen. Eine knapp zweihundert Meter tiefe Schlucht und die dazugehörige Steinbrücke bilden eine spektakuläre Kulisse und legen die Nerven asiatischer I-Pad Fotografen blank.
Gemächlich gelangen wir dann an die Südspitze Spaniens auf den Englischen Aussenposten Gibraltar. In diesem Stadt-Staat kaufen die Heimweh-Briten ihren Black Pudding und die Touristen zollfreie Zigis. Um auf die kleine Halbinsel zu gelangen muss man doch tatsächlich das Rollfeld des hiesigen Flughafens überqueren.Als Schweizer lassen wir uns natürlich auch die Fahrt mit der Seilbahn auf den Hausberg nicht entgehen und entdecken auf dem Gipfel den wahren Grund des andalusischen Sonnentraums. Ganz nach dem Sprichwort "stieget dAffe, git's schön Wätter", leben hier oben eine handvoll Berberaffen, welche sich aufgrund mangelnder natürlichen Ressourcen vornehmlich bei den Touristen bedienen. Wie die Stammleserschaft weiss, haben wir unsere Erfahrungen bezüglich klauender Affen ja schon in Borneo erworben (Link) und ziehen deshalb nach ein paar Schnappschüssen wieder Leine.
Es folgen einige Tage auf einem herrlichen Campingplatz in Tarifa, dem gelobten Land der Windsurfer. Wir geniessen den Blick auf's Meer und den Afrikanischen Kontinent, währenddem unsere Wäsche im Sturmwind schneller trocknet, als ein Furz in der Sahara. In Cádiz wollen wir uns natürlich das geschichtsträchtige Zentrum näher anschauen. Doch Baustelle hier, Umleitung dort, Schild historische Altstadt übersehen und simsalabim steht Terence mitten in den engverwinkelten Seitengassen und zieht Blicke zwischen Verwunderung, Belustigung und Entsetzen auf sich. Naja liebes Navi - sooo genau wollten wir uns das Zentrum nun auch wieder nicht anschauen...
Derweil Terence sich auf dem Stadtparkplatz von dem Schock erholen kann, schwanken wir kulinarisch zwischen frittierten Churros und gebratenem Stierenschwanz - Tja, andere Länder, andere Suppen. Die letzte Stadt unserer Andalusientour ist Sevilla. Auf dem Plaza de España schaltet der Herr Dorfschullehrer wieder mal den Klugscheissermodus ein, dann geht's rüber zur Riesenkathedrale und während ihr euch zu Hause vom Schmutzli den Arsch versohlen lässt, führen wir uns zur Feier des Tages das lokale Heineken zu Gemüte. Nachedem ich vor ein paar Wochen einmal eine Olive direkt vom Baum stibitzt und gekostet habe und dafür die Tubel-Trophy verliehen bekam, weiss ich nun, dass man in Spanien nicht alles essen sollte, was da so vor sich hinwächst.
Genau so verhält es sich auch mit den scheinbar überreifen Orangen, die in jeder Stadt tonnenweise die Bäume zieren. Man fragt sich, weshalb die Spaniöggel, denen es ja weissgott nicht gerade rosig geht, dieses gratis Vitamin C nicht einfach von den Bäumen pflücken. Die Antwort erhält man, wenn sich ein dreister Tourist nach dem scheinbar süssen Gut streckt, genüsslich reinbeisst und dabei das Gesicht verzieht, als hätte er einen Zitronencake ohne Cake gegessen. Es handelt sich nämlich um eine ungeniessbare Sorte, welche ihren Zweck höchstens noch in Form von einer Bitter-Orangenkonfi auf dem Zmorgenbrot erfüllt. Wir hingegen stehen vor der bitteren Entscheidung, unseren Trip im anscheinend kühlnassen Portugal fortzusetzen oder aber zurück nach La Garrofa zu fahren, um dort noch ein wenig in der Sonne zu chillen. Die Frage lautet also Portwein oder Rioja?
Naja - die Antwort liegt auf der Hand und schon am nächsten Tag werden wir auf La Garrofa mit einer Begrüssungsparty empfangen. Auch der Zürcher ist inzwischen zurückgekehrt und wir müssen ganz schnell feststellen, dass es auch eine sympathische Kollektion dieser Spezies gibt. Jürg, so heisst dieses Prachtsexemplar der Specie-Rara, kam auch für "nur eine Nacht" nach La Garrofa - das war vor sechs Monaten... Von nun an bestehen unsere Tage in der Planung origineller Abendprogramme. Ob Bonfire am Strand, Barbecue at Jim's oder Raclettplausch bei Jürg, die Nächte sind so feuchtfröhlich, dass wir unsere Abfahrt täglich herauszögern. Im Terence Hill Studio wird der La Garrofa Song eingespielt, welcher durchaus Ohrwurm-Qualität besitzt und es locker in die Campingcharts schaffen könnte.
Das grosse Finale bildet dann die Weihnachtsparty, welche zugleich auch unser Abschiedsfete darstellt. So verlassen wir nun die eine Familie, um uns auf den Weg zur 2000km entfernten anderen Familie aufzumachen. An Essen und Getränken wird es wohl die nächsten Tage auch nicht mangeln aber könnte das Empfangskommitee für die nächsten zwei Wochen bitte noch etwas an den Temperaturen arbeiten? Danach spielt's uns keine Rolle mehr - denn um die Winterdepression abzuwenden, haben wir noch einen Monat Kuba gebucht...
6300km, 97h Fahrzeit - wir stellen fest, Spanien ist eine Reise Wert. in diesem Sinne: Feliz Navidad, prospero año y Felicidad!
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