Sonntag, 8. November 2009

Ecuador Teil 2

Bilder
Wir machen uns also auf in Richtung Urwald. Dazwischen liegt aber noch der obligatorische Abstecher eines jeden Ecua-Touris ins 4 Busstunden entfernte Baños. Mittlerweile gibt’s dort schon den zweiten Schweizer Restaurantbesitzer (der erste ist über alle Berge und hat das Schweizerpub, welches Fibi und ich vor Jahren heimgesucht haben, einer geschätzten Kameradin aus unserem nördlichen Nachbarkanton vermacht - geiles CH Pub!). So gibt’s nun also Züri-Gschnätzlets beim echten Eidgenossen.
Noch während der Nacht gehen uns die andauernden Explosionen etwelcher Feuerwerkskörper mächtig auf den Senkel - irgendwas ist hier im Gange. Steht der Hausvulkan Tungurahua etwa schon wieder vor einem Ausbruch? Des Rätsels Lösung ist relativ einfach. Die Stadt feiert das jährliche Fest der „Virgen de Aguas Santas Baños“ und dies die ganze Woche lang. So werden die Einwohner stündlich (ja, auch nachts) mittels eines Böllerschusses daran erinnert, dass sie die Oropax vergessen haben und nun mal besser den Rosenkranz aus dem Nachttisch holen sollten. Tja, andere Länder - andere Suppen!
Tags darauf treffen wir dann einen typisch ecuadorianischen Vertreter der Sorte „Nepper-Schlepper-Bauernfänger“, welcher vor Jahren eine Schweizerin zum Kinderglück und sich damit in die Schweiz gebracht hat. Er erklärt uns in gebrochenem CH-Deutsch sein Leben im Schnelldurchlauf und wir kommen in den Genuss einer geführten Wanderung for free ;-)
Abends geht’s zum Dorffest… Eine Blaskapelle spielt Merengue und Cumbia und eine Frau mixt daneben auf einer mobilen Strassenküche Canelasso - eigentlich ein heisser Caipirinha. (Also wie bei den Eglis am Rosenfest, wenn um 03.55 Uhr das crashed-Ice ausgeht). So schwingen wir auf der Strasse das Salsa-Tanzbein, ich werde mit jedem Canelasso besser (finde ich) und bringe mich damit allerdings auch aus tiefster Überzeugung mit jedem Schluck dem Immodium einen Schritt näher. Später im Club feiern wir also die Nacht der Nächte und ich habe meine liebe Mühe mit der tief hängenden Beleuchtung aber irgendwie spüre ich die Schmerzen nicht mehr so. Sabrina ist derweil die begehrteste Tanzpartnerin westlich des Äquators (running gag!) und kann sich die Seele aus dem Leib tanzen obwohl die Jungs hier in den Bergen etwa so stilsicher sind wie Peach Weber bei Art on Ice. (TanzArt wo seid ihr!?!).
Habe ich eben noch erwähnt, dass dies die Nacht der Nächte war? Denkste! Wir stellen mit Schrecken fest, dass die Amigos hier jeden Tag ihre „Virgen de Baños“ feiern, doch wechseln sich die Quartiere täglich ab und - oh Wunder - heute sind wir dran. Das bedeutet, dass wir um 09.30 Uhr mit einem freundlichen… „un-dos, test-test…“ geweckt werden, denn die Blaskappelle stellt soeben direkt vor unserem Zimmer auf (Video). Eigentlich ist das wie Sennenchilbi. Da steht ein Kletterbaum, es gibt Sackgumpen und ein Velorennen in Frauenkleidern. Um 19.00 Uhr schiebt die Señora des Hotels der lieben Sabrina einen Stuhl unter den Allerwertesten und mein erzprotestantischer Schatz wird - derweil ich mir einen Burger genehmige - unfreiwillig Zeugin eines zweistündigen katholischen Gottesdienstes auf der Strassenkreuzung vor unserem Hotel. Kaum ist die Statue der Virgen verräumt, fahren eine Handvoll Mariachis auf und geben ein paar Songs zum Besten. Die Kirchgemeinde steht auf und tanzt - das ist vielleicht ein Gottesdienst.
Beim Baumklettern zu vorgerückter Stunde wird‘s dann etwas kriminell, denn die Jungs hier finden, dass eine Sicherheitsleine was für Bubis ist und bilden einen Turm um die Stange. Der Unterste trägt also vier Typen auf seinen Schultern und das Blut an den Turnschuhen des Obersten stammt von den Ohren des Untersten. Wir mischen uns unters tanzende Volk - kriegen aus fremden Bechern und Beuteln drinks gereicht und nun steht definitiv fest: Der Immodium-Bann ist gebrochen.

Nach der Party Meile Baños fahren wir dann mit dem Bus nach Tena, dem Tor zum Dschungel. Wir sind mittlereile auf etwa 500 M.ü.M. angelangt und dies zeigt sich an den Temperaturen und einer enormen Luftfeuchtigkeit. Die Moskitos haben mich besonders gern und hinterlassen mir einige Andenken. Wir buchen einen 3-Tagestrip in die Shangrila Lodge. Nein, dies ist keine Chinesische Fastfood-Kette, sondern eine herrlich gelegene Urwald Unterkunft mit Blick auf geschätzte 3,23-keine-Ahnung-Quadratkilometer Wald. Wir kommen in eine Gruppe mit 4 Spaniern und unternehmen geführte Touren in indigene Dörfer, klettern durch Wasserfälle, lassen uns zu Schamanen schminken, dass wir aussehen wie die noch wärmere Version von Sven Epiney und erfahren, dass die Urwaldbewohner hier so ziemlich mit jedem Grashalm ein ganzes Dorf bauen können (so wie Mack Guiver - bloss nackt).
Tiere hat’s natürlich auch. Vor allem die Schlange, welche sich plötzlich quer über den Pfad legt hat’s mir angetan - Hueregopferdelli! Apropos Tiere - ich will natürlich Fischen gehen. Am letzten Nachmittag machen wir uns zusammen mit einem Indianer auf zum Fluss. Ich kriege einen Sack voll Hühnerinnereien und erhalte bewundernde Blicke aller Guides für meine „Shimano Exage Travel- Angelrute“ samt Stationärrolle. Die Bewunderung hält sich dann aber ziemlich in Grenzen, als wir mit leeren Händen zurückkehren. Janu, wenigstens haben mich die Sand-Flöhe erwischt und Sabrina hat einen quasi Sonnenbrand. Der Einheimische, welcher übrigens 10 Minuten vor unserem Abgang zu fischen begann und geschätzte 2,2 Sekunden später ein Mordsding rausgeknallt hat, windet sich wahrscheinlich noch jetzt vor Schadenfreude unter seinem Moskitonetz.
Wir kehren zurück nach Quito und treffen dort... Philippe Nenzamenz. Er hat seinen Arbeitseinsatz auf der Hacienda etwas früher abgebrochen. So besuchen wir zusammen Midad del Mundo (Die Mitte der Welt). Eine 1A Touri-verarsche bei der man z.B. auf einer Linie entlang des Äquators für harte Dollars gehen kann. Knapp 200 Meter weiter steht dann ein weiteres Freilichtmuseum, welches für sich beansprucht, die richtige Midad del Mundo- Linie zu haben und so stehen wir schon wieder auf dem Äquator und wissen nun, dass das Wasser auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn die Toilette runter fliesst und auf der Südhalbkugel andersrum. So genau wollten wir das eigentlich gar nicht wissen, wir sind schon froh, wenn hier überhaupt mal eine Spülung funktioniert.
Wir entschliessen uns zu dritt an den Strand zu fahren. Leider ist hier gerade wieder mal Feiertag und so haben nebst uns auch noch etwa 2 oder 3 andere die glorreiche Idee übers verlängerte Wochenende an den Strand zu reisen. 12h im Bus und „schon“ sind wir in Puerto Lopez in einer gemütlichen Bungalow-Anlage. Bloss die nassen Strassen regen uns zum Denken an. Am nächsten Morgen wissen wir dann auch weshalb - wir sind nicht gerade an der sonnigsten Ecke Ecuadors gelandet. Was soll‘s - fahren wir halt zum Fischen raus. Leider hat unser super Guide nur eine Schleppangel. So muss wieder mal mein Material ran. Seinen einzigen Köder verlieren wir in der Schiffsschraube des einzigen anderen Fischerbootes in der Umgebung von 100 Quadratkilometern (er glaubt noch heute, es wäre ein Fisch gewesen). Wir kommen zu einem Hammer-spot und ich kriege einen guten Biss auf meinen mitgebrachten Lucky Craft Wobbler (für nicht-Fischer geht’s unten weiter). 25 Minuten Drill später weiss ich, dass mein Material nicht gerade meerestauglich ist. Ich möchte die Augen des Tauchers sehen, der den Fisch erspäht, welcher ab jetzt mit einem Lucky-Craft-Piercing durch die Gegend schwimmt. Philippe rettet uns dann aus dem Schneider-Dasein und abends gibt‘s leckerschlecker Fisch. Den Bluefootet-Boobie Vogel können wir also wieder in die Lüfte entlassen - unter den mürrischen Kommentaren des Kapitäns, welcher in Gedanken schon die Messer gewetzt hat.
Da es immer noch nicht so richtig will mit eitel Sonnenschein, buchen wir für den nächsten Tag (wie könnt’s anders sein) wieder eine Fischer-Tour. Big Game angeln mit einem sympathischen Schweden namens Peter (eigentlich der Zwillingsbruder des Metallica Sängers). Während die geschätzte Leserschaft also am Montagmorgen in’s Büro fährt, tuckern wir 25 Meilen auf’s Meer raus und sehen....... einen Wal. Jep, ganz genau - einen Buckelwal. Der Tag fängt also gut an. Als dann noch eine Handvoll Delfine unseren Weg kreuzen, kann eigentlich nix mehr schief gehen (Flipper erkennt mich immer noch nicht, Schlampe!). 13 Stunden später wissen wir’s dann endgültig: Wir hätten die Kohle für den Trip vielleicht besser in Cuba Libre angelegt. 3 Bisse von Dorados kriegen wir - und das war’s dann auch. Als wir am nächsten Morgen am Strand sehen - wie die lokalen Fischer Marlin um Marlin anschleppen, beginnen gewisse Selbstzweifel zu keimen.
Übrigens, die vielen Haifische, die ihr geschlachtet auf den Bildern seht, sind leider Gottes alle fälschlicherweise in die Fischernetze geraten, da der Fang von Haien offiziell verboten ist. Immerhin müssen sie dem Staat dafür pro „Unfall“ 1 US Dollar Strafe zahlen. So ein Pech aber auch. Den Hai dürfen sie dann natürlich für 50 Dollar verkaufen und die Flossen sollten dann in China das Bevölkerungswachstum dank potenzsteigernder Wirkung wieder etwas ankurbeln. Denen gehen ja langsam die Leute aus...
Am Wochenende kommt übrigens die Tourismus Ministerin in Puerto Lopez vorbei. So verteilt nun die lokale Behörde den Einwohner tonnenweise Farbe, auf dass diese ihre Häuser streichen sollen. Leider haben sie die Rechnung ohne die Jungs hier gemacht. Die sacken die Farbe natürlich ein, fahren 50km weiter in die nächste Stadt um dort dafür zu sorgen, dass aufgrund eines plötzlichen Anstieges des Farbangebots der Marktpreis dramatisch sinkt.
Die andere Hälfte der Einwohner streicht munter Haus um Haus - so entsteht eine Mischung aus Disneyland und Riedsort-Quartier. Wir sind derweil so weit, dass wir Fische am Markt kaufen, gönnen uns eine 8kg Dorade und Philippe lässt seine Kochkünste walten. So laden wir einige neue Freunde in die Beach Bar unseres Vertrauens ein und machen lecker Barbeque. Schon bald ist eine Gitarre gefunden und das „Anyone-can-play-guitar-Festival“ bildet einen gelungenen Abschluss unserer „Hundstage in Puerto Lopez“. Denn bald wird‘s schon wieder anstrengend - wir fahren morgen für acht Tage zu den Galapagos Inseln. Mann, ist das hart! Aber wir werden‘s packen - irgendwie.

3 Kommentare:

  1. HEY - meldet euch jetzt doch endich beim MIGROS-Magazin ... euer Reisetagebuch würde glatt den Bänz Friedli aus dem Programm kippen ;) Absolutely fantastique!!!
    TAKE CARE und hends guet! LG MZM

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  2. Tach

    Übermorgen Freitag ist dann im Fall Skilageressen, und ich erwarte Vollzähligkeit.

    Gruss euch Zweien und schaut mir recht zum lonesome Joe auf den Galapagos....

    lg scheff

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  3. Euer Reisetagebuch zu lesen, ist DER Aufsteller hier im öden Zigerschlitz!

    Jimi Hendrix lebt!

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