Montag, 21. Dezember 2009

Argentinien - Teil 1

Bilder Die Bolivianer gehen uns langsam irgendwie auf den Sack - so jetzt ist es raus. Musste mal eben sein, sorry. Der alltägliche Kampf um alles hier oben ist einfach ermüdend. So freuen wir uns umso mehr auf Argentinien. Mit dem letzten Holperbus erreichen wir die Grenze und kommen in die Grenzstadt La Quiaca. Von dort geht’s anderntags nach Salta - der ersten grösseren Stadt in Argentinien. Freunde! Asphaltierte Strassen, doppelstöckige Busse mit Liegesitzen, freundliche Menschen, Produkte mit Preisangaben, funktionierende Taxometer, warmes Wasser, grüne Wiesen, Frauen ohne Männerhüte, Frauen die als solche zu erkennen sind, Internetverbindungen ohne 52Kb Modem und ein wohlriechender Rauchduft, als würde in der Nachbarschaft gerade ein Rind in Richtung Garpunkt gedreht. Ein Land, in dem Veganer im Zoo, zwischen dem Affenkäfig und den Pinguinen zu bewundern sind und die Generalversammlung der Weight-Watchers in einer Telefonkabine durchgeführt werden kann. Yes Baby, yes!
Und wen treffen wir hier? Natürlich Carolina, unsere Reisebegleiterin aus Portugal. Um unsere äussere Erscheinung auf ein annehmbares Mass an Zivilisation anzuheben, erstehe ich mir ein paar brandneue Lederschuhe und Sabrina... bleibt so schön wie sie ist, steigert dies aber noch mit einer 13 Dollar Uhr. Im Fischerladen tanke ich meine Köderkiste wieder auf und dann geht’s ab in’s Grusel-Museum. Da auch hier in der Nähe Inkas gehaust haben, stellt deren Kultur ein wichtiges Puzzleteil der provinziellen Geschichte. Sie haben damals die reinsten und gesundesten Kinder alleine auf den unglaublich langen Fussweg nach Cusco, ins Zentrum der Macht gesandt, damit diese dort gesegnet wurden. Mit allerlei Wertgegenständen bestückt, kamen die Gesegneten dann nach Monaten der Reise zurück und wurden (jetzt kommt‘s knüppeldick) mit Maisschnaps abgefüllt und lebendig begraben. Dies aber nicht etwa im Dorfzentrum, sondern auf den höchsten Gipfeln der Umgebung. Diese sind immerhin 6000m hoch. Da nun aber einige Archäologen der Meinung waren, diese Gräber würde man doch besser aufspüren und aufbrechen, kann man eines dieser Kinder nun hinter einer Glasvitrine in einem heruntergekühlten Ausstellungsraum bewundern. Naja naja… ein paar hundert Jahre Grabesruhe und etwas weniger Sensationsgier hätten da und dort vielleicht nicht geschadet.

Salta gefällt uns so gut, dass wir nach einer vorgetäuschten Magenverstimmung unsere bereits gekauften Bustickets verlängern dürfen. Als nächstes geht’s gemeinsam mit Carolina zu unseren Machu Picchu Freunden nach Cordoba. (Ja, der Fischer-Märtel und der Erni Steve II). Die Jungs erwarten uns mit Familie am Busbahnhof. Carolina vergisst ihre Kamera im Bus und schon haben wir was zu tun - lustig so ein Reisetag! Wir gehen in ein piekfeines Restaurant und kriegen es mit einer Parilla zu tun (grillierte Steaks, Filets, Blut- und Leberwürste). Und gerade jetzt schlägt mein Darm Kapriolen (hätte ich dem langhaarigen Heavy-Metal Typen im Salta-Hostel doch nicht glauben sollen, dass das Hahnenwasser trinkbar ist?). Danach fahren wir mit der ganzen Truppe ins Chè Guevara Museum nach Alta Gracia.


Von dort geht’s durch wunderbare Bergregionen nach Cumbresita. Da gibt’s ein beschauliches Dörfchen, welches von Exil Alemanen und Schweizern errichtet wurde. Das schaut alpenländischer aus als bei uns zu Hause! Im Garten des Bierhaus‘ München verteilt der Nikolaus gerade Geschenke an die Kinder, daneben sitzt eine rüstige Sauerländerin und schwelgt vor ihrem Ghettoblaster in Kindheitserinnerungen zu den Klängen von „Oh stille mich, du fröhliche“… herrlich! Müsste ich nicht alle 2 Minuten auf’s Klo hätte ich richtig Spass daran! Ich gehe auf Tutti und sage mir: Wenn schon die „Durchfalleri-Durchfallera Polka“, dann aber richtig und bestelle Weissbier. Sauerkraut lassen wir aus, wir können echt nix mehr essen, ganz im Gegensatz zu den Argentinos.

Die bestellen für unseren Tisch (zum Bier quasi) "algo para picar" - etwas zum Naschen… 2 Familien Pizzas. Um 22 Uhr glauben wir dann endlich die 2h Rückfahrt nach Cordoba antreten zu können, haben die Rechnung aber ohne unsere Freunde gemacht. Diese organisieren nämlich am Telefon noch ein kleines Nachtessen bei einem Freund. Dafür reicht aber ein Grill nicht, sind es doch 7Kg Fleisch, welche geordert wurden. Um Mitternacht startet der Schmaus... wir können kein Fleisch mehr sehen! Ein geiles Erlebnis - mein Darm ist da anderer Meinung.


In Cordoba schmieden wir Pläne für die Weiterreise. Wir nehmen den Nachtbus (11h) nach Buenos Aires und fliegen dann ganz hoch an die brasilianische Grenze nach Iguazu, um die weltbekannten Wasserfälle zu besichtigen. Hier herrschen tropische Temperaturen. Morgens um 08.00 Uhr lockere 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit wie in der Damentoilette bei einem Robbie Williams Konzert. Man kann die Fälle sowohl von der Brasilianischen- wie auch von der Argentinischen Seite her anschauen. Wir starten mit der Brasilianischen und nehmen das Taxi über die Grenze und jetzt kommt’s… ja, Fibi - ich sehe das Grinsen in deinem Gesicht. Weisst du noch? Wie war das damals mit dieser 250 Dollar Busse, welche wir zahlen sollten, falls wir jemals wieder über die Brasilianische Grenze kommen? Nur, weil wir damals 10 Tage zu lange im Land (bzw. am Carneval) waren? Fuck. Die Jungs hier haben nun also auch Computer. Naja, immerhin gibt’s einen Discount und ich komme für 80 USD rein (für 3h!).

Die Wasserfälle sind der Hammer. Dagegen ist unser Rheinfall der selbige, allerdings ohne „h“. Die Argentinische Seite ist dann noch einmal um eine Spur besser. Allerdings nicht ganz so gut wie das Filet, welches wir zum Härdöpfelstock kochen. Immerhin kosten 600g Rindsfilet 2.50 USD. Am letzten Tag in Iguazu wird’s dann noch hektisch. Ein Taxifahrer erzählt uns, dass man in Paraguay enorm günstig Kameras kaufen kann… Na dann, nix wie hin uns bleiben knapp 3h. Mit dem Taxi über Argentinien und Brasilien an die paraguayanische Grenze (die Mini-Ronaldinhos machen natürlich wieder Stunk). Dann mit drei Mototaxis in halsbrecherischer Fahrt an den Grenzposten vorbei ins paraguayanische Warenhaus. 10min Zeit für den Kamerakauf und dann schnellstens zurück. Fazit: Wir haben den Testsieger Sony HX 1 zum Vorzugspreis. Yes Baby -  Patagonien wir kommen... hochaufgelöst und superscharf! Wiitermache. Sorry für diesen Link, musste einfach sein.



2 Kommentare:

  1. Hoi Ihr zwoi
    Es isch immer richtig spannend. Hend's wiiterhin guet und natürlich..
    ganz schöni Festtäg verbunde mit liebe Gruess
    Rolf Schmid

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