Braungebrannt wie Hawaian-Tropic Models, nehmen wir Anlauf in Richtung Peru. Da ich ja den ersten Teil unserer Reise schon mal gemacht habe und weil wir uns in Ecuador ganz schön Zeit genommen haben, beschliessen wir, einen Gang höher zu schalten. Unser Ziel ist es, in einer Woche hinter dem "Machu Picchu - Kästchen" ein Kreuz machen zu können. Aber im Bus sind's doch satte 41h von Guayaquil nach Lima bis Cusco (dem Ausgangsort für Machu-Touren) und die internationalen Flüge mit 640 USD eher teuer. Also fahren wir erst mal per Bus über die Grenze nach Peru. Dass ein bewaffneter Busbegleiter mitfährt, beruhigt uns doch unheimlich. Nach der Grenze landen wir in der Mutter aller Shitholes - in Tumbes. Lonely Planet schreibt dazu: "Ein toller Ort um sich Auszuruhen und neue Kräfte zu tanken". Geeenau! Eine Grenzstadt wie im Bilderbuch für Schwerverbrecher und Sanitärinstallateure. Wir kommen leider zu spät an um noch den Abendflug nach Lima zu kriegen und sind somit gezwungen, uns den Moskitos zum Frass vorzuwerfen, wovon diese wiederum reichlich Gebrauch machen. Immerhin finden wir ein Restaurant namens "Chozo" - tja, wenn der Name Programm ist... Frühmorgens fährt uns dann ein Local in seinem Tuck-Tuck-Töffli-Taxi zum Flughafen. Bloss - für die Katz. Denn es gibt nur einen Flug und der ist natürlich abends. Ja, Bravo! Und Gracias für die Tips der Locals betreffend Abflüge...
Die gute Nachricht: wir schaffen den Abendflug nach Lima, übernachten dort und kriegen auch noch die Maschine nach Cusco. Am Flughafen kann ich schnell in's Internet und sehe, dass ihr es zu Hause wärmer habt als wir. Sauerei! In Cusco wollen wir dann unseren Machu Picchu Trip organisieren und tun dies auf die absolut doofste, verblödetste Touristen-Art, wie man es sich bloss vorstellen kann. Und ich hab geglaubt, ich wäre gefeit vor solchen Nummern - denkste. Wir lassen uns von einem Touroperator den ganzen Trip aufschwatzen und zahlen damit noch schön was an die Erziehung seiner geschätzten 17 unehelichen Kinder.
Cusco ist natürlich immer noch ein absoluter Hingucker. Wir schnabulieren in einem Hinterhof-Restaurant, welches man wirklich nur findet, wenn man mit Kompass, GPS und lokalem Guide unterwegs ist. Jetzt liegt bei mir die Versuchung nahe, das erste Meerschweinchen auf den Weg durch meinen Verdauungstrakt zu schicken. Irgendwie habe ich dann aber doch Skrupel, als ich das haarlose Ding am Glace-Stäbchen auf dem Teller des Tischnachbarn entdecke und bestelle was anderes. (Ob's wohl auch ein Haustier war?...)
Nachdem wir im Irish-Pup erleben dürfen, wie die Iren den vermeindlichen Einzug in die WM-Endrunde feiern und dann doch noch abblasen müssen (Very sophisticated, wie sich das für die Rothaarfraktion gehört), stürzen wir uns selber in's Nachtleben Cuscos. Wir feiern zwar nicht gerade die WM Teilnahme, können aber die Happy-Hour ganz für uns entscheiden.
Tags darauf geht's dann mit Taxi nach einer Ortschaft, welche man eigentlich schon daher verbieten müsste, weil sie über den unaussprechlichsten Namen der Welt verfügt...Ollientantamboo oder so was in der Richtung. Entlang der Strasse brennt hier jeder seinen eigenen Maisschnaps, den sie ebenfalls verkaufen oder - wie wir denken - den sie sich zum grössten Teil selbst reinhauen. Dies wird dadurch Kund getan, dass man einfach eine lange Stange, an deren Ende ein roter Ballon klebt, vor's Haus hängt. Irgendwie noch geil - man weiss immer, in welchem Haus gerade Mais-Schnaps-Party läuft.
In Aguas Calientes, das Dorf am Fusse des M.P., steigen wir aus und verbringen die Nacht. Vor vier Jahren sind Fibi und ich in aller Herrgottsfrühe zum Park hochgestiegen, um dort die ersten zu sein. Dies hat mittlerweile auch ein Lonely Planet Autor getan und den morgendlichen Aufstieg als "Geheimtipp" in diesen Reiseführer geschrieben. Wir wandern aber nicht hoch, sondern stellen uns um 04.30 Uhr in die Schlange der Busstation um hoch zu fahren. Als wir oben ankommen, stehen da schon etwa 100 bergsteigende, beknackte Rucksacktouris, welche, dank der stündigen Nachtwanderung, einen leicht penetranten Transpitations-Film an die jungfräuliche Bergluft abgeben. Merci Lonely-Planet!
Wir passieren den Eingang und stehen vor Machu-Picchu - sagt man uns. Denn aufgrund des dichten Nebels kann man gerade mal etwa 5m sehen. Wir könnten also glatt auf dem Rigi-Rotstock stehen und irgend ein überbezahlter Guide könnte uns in gebrochenem English erklären: "There, behind se fog is Taj Mahal!" Wir müssten es wohl oder übel glauben.
Also, wir haben's geschafft. Machu Picchu können wir abhaken. Auf geht's Richtung Bolivien! Wir nehmen den 6h Bus nach Puno, denn wir wollen die Islas Flotandes besichtigen. Alejandro und Carolina haben uns gelehrt, in Sachen Feilschen einen Gang höher zu schalten, da hier nichts einen Festpreis hat. Mein lieber Schwan, ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher, ob Sabrina wohl doch noch Vorfahren in einem israelischen Vorort hat. Vorallem wenn sie müde oder leicht gereizt ist, sollten sich Taxifahrer und Busunternehmer vor meiner Freundin in Acht nehmen und den Fahrpreis doch besser gleich mal halbieren.
Tags darauf überqueren wir die Grenze nach Bolivien und verbleiben für drei Tage in Copacabana (ja Fibi - im selben Hotel). Eines abends, eher spät, besteigen wir dann noch den Hausberg Copacabanas, um die schöne Aussicht über den See zu geniessen. Die 3850 müM fordern ihren Zoll - aber der Ausblick entschädigt uns. Beim Abstieg im Dunkeln treffen wir dann auf eine Familie aus Bolivien. Die Mutter, mit High-Heels ähnlichem Schuhwerk bewaffnet, ist nicht mehr ganz so Herrin der Lage. So kommt es, dass ich in einem Anflug christlicher Nächstenliebe, ihre zweijährige Tochter in meinen Armen haltend, vom Berg runtertrage. (Die Kleine schläft dann prompt noch ein.) Der Ami, welcher bei uns ist, meint bloss: "Jetzt hast du deine gute Tat getan - darfst also ruhig wieder eine Woche lang Assh... spielen". Yipieeee!
Nach einem windlosen Seegelturn und einer Stippvisite auf der Isla del Sol geht's rassig nach La Paz. Da hier in einer Woche Wahlen sind und wir nicht wirklich Lust auf Strassensperren und solchen Quatsch haben, kaufen wir einen Flug nach Sucre. Dort treffen wir auf Oli Waldispühl und dessen Freundin Helene, welche für 6 Monate Südamerika bereisen und seit einem Monat in Sucre leben. Während ihr nun also darauf aufpassen müsst, dass die Muselmanen keine spitzigen Türme in euren Garten pflanzen, sind wir am Jassen, lassen uns von Oli und Helene herrlich bekochen und gehen gemeinsam auf's Iron Maiden Konzert.
Yeah Baby - Heavy Metal ....! (Auch wenn das nicht so ganz die Original-Besetzung ist...).
Nun sind wir auf dem Weg nach Argentinien, wo die Steaks anscheinend an den Bäumen wachsen und die Lachse im Rio-Grande auf meine Perlmutt Spangen warten.
Ah ja, schon mal schöne Weihnachten...
Ah ja, schon mal schöne Weihnachten...
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