Bilder Mit dem November ist das ja so eine Sache. Er kommt mir
manchmal vor, wie die Kartoffeln in den Älplermagronen... Es braucht sie zwar, aber
niemand mag sie so wirklich. Deshalb zischen wir ab in Richtung Süden, wo die
Temperaturen ja noch Zweistellig sein sollen – ohne ein Minus davor. Das
Abschiedsbier an der Alexander-Bar wird (wer hätte das gedacht) zum Abschiedsfass.
Aber wir freuen uns extrem, so viele Freunde vor der Abreise nochmals zu
treffen. Der Plan lautet: „Wenn wir rechtzeitig abfahren, schaffen
wir es locker über die Grenze und schön nach Frankreich rüber“. Denkste.
Abfahrt erst nach dem Mittag. Kater wie der, von Sigfried und Roy. Powernap in
Gunzgen. Merci Petra&Hasi für’s Überhocken – und seid versichert: Gunzgen
ist eine Reise wert!
Nach einer Nacht in „Rolle“ am Genfersee (ohne „Mont sûr“)
queren wir dann anderntags die Grenze zu Frooonkreisch. Schon bald stellt sich
heraus, dass Les Bleus extrem gerne unser Nummernschild lesen. Nicht, dass wir
langsam fahren würden, aber die Jungs hocken auf, als möchten sie mit ihren
Peugeots 205 einen Jungen Terence zeugen. Abrupt ausgeführte Ausweichmanöver
aufgrund imaginärer Schlaglöcher schaffen Abhilfe und bringen auch ein wenig
Spass und nervöse Lichthupen. Wir landen in Sisteron und schlafen auf einem
Stellplatz am Fuss der Zitadelle, welche wir natürlich auch besteigen. Kann man
nicht meckern – saubere Sache diese Mittelalterstadt.
Irgendwann sehen wir dann das Mittelmeer und stechen von den
Bergen runter an die Côte d’Azur. Tönt schon mal gut. Schnell noch Shorts und
T-Shirt montiert und schon geht’s an die Strandpromenade von St. Maxime. Es
reicht gerade noch zum Sunset Drink.
Doch die Leute laufen alle in Pullis, Jacken und Jeans rum und in den
Strassencafés werden die Heizstrahler angemacht. So lange sie nicht noch
Kafi-Träsch im Beckli ausschenken und „Anton aus Tirol“ anstimmen, lassen wir’s
ihnen durchgehen – die sind sich halt andere Temperaturen gewohnt.
Dann geht’s in die Camargue, auf den Camping de la Brise.
Und das kann man dann mal wörtlich nehmen. Terence schwankt im Wind, wie ein
Chinese beim Verlassen des Augustinerzelts und selbst die halb wilden Pferde,
die hier rumlungern, wie Werkschüler vor dem Aldi, verkriechen sich ins
Gebüsch. Ein veritabler Sturm statt nur ne’ leichte Brise. Wie immer versuchen
wir möglichst an der Küste entlang zu fahren und plötzlich stehen da noch
Flamingos irgendwo im Tümpel rum. Nicht die Schlagersänger – sondern echte
Flamingos. Sachen gibt’s.
Je näher wir der Spanischen Grenze kommen, desto
Abwechslungsreicher wird die Landschaft. Kleine Buchten fressen sich in die
roten Felsen rein und die pittoresken Dörfer reihen sich wie die Perlen einer
Kette an die Küstenlinie. Es ist halt schon schön, wenn’s schön ist. Plötzlich steht da ein Schild, welches besagt, dass wir nun
in Spanien sind. Ich mache allerdings jede Wette, dass die örtliche Polizei
jede zweite Woche ausrücken muss, um den „Catalunya“ Schriftzug über dem
durchgesprayten „España“ zu entfernen.
„Chindschöpf!“ Natürlich zieht es uns nach Tossa de Mar und Llorett de Mar. Mal
schnell nachschauen, ob die Stätten unserer spätpubertären Alkoholexzesse noch
stehen. Also Jungs, das Move-Gaga, das Hollywood und das St. Trop sind noch da.
Sorry Guido und Fibi – ich hätte euch gerne ein „Valentinos“ T-Shirt
mitgenommen, aber die 10 Tequilas, die man weghauen muss um dieses zu kriegen,
vereinen sich nicht mehr mit meinem Jahrgang, aber für eine Bubenreise wäre
hier noch alles bereit. Steht ein Polterabend an?
Dann Barcelona... auch hier waren Sabrina und ich schon
öfter – allerdings noch nie gemeinsam. Habe gar nicht gewusst, dass die Stadt
auch bei Tag etwas hergibt. Terence parkieren wir beim Olympischen Museum für
schlappe 30 Euro pro Nacht in einer bewachten Anlage und dann geht’s ab ins
Getümmel. Mit dem Fahrrad hoch bis zum Montjuic ging auch schon ringer - aber
Sabrinas Laune ist bedeutend besser als am Prejkestolen. Dann sieht sie in der
Stadt an jeder Ecke eine Frau, welche diese komischen Schuhe trägt, welche
ausschauen wie ein paar Turnschuhe mit zugewachsenen, hohen Absätzen. Jede
Frau, welche nun an uns vorbeigeht wird genau beäugt (was ich grundsätzlich OK
finde) und trägt sie eben diese Schuhe, wird sie sofort eifersüchtig zur
Feindin erklärt. Die weiblichen Leserinnen wissen jetzt ganz genau worum’s
geht. Für die Männer gilt: Weiter zum
nächsten Abschnitt! Ab sofort ist das erklärte Ziel meiner Angetrauten nämlich,
sich selber in den Besitz eines Paars dieser erlesenen Treter zu bringen und
dies dürfte, in Anbetracht der Auswahl an Schuhläden, kein Problem sein.
Ich
tue, was man in solchen Momenten immer tun sollte: Hinterherlatschen und ein interessiertes
Gesicht aufsetzen. Es geht ja nicht nur um das richtige Modell, sondern auch
Farbe, Art der Verschnürung, die Höhe des Absatzes, Material und Grösse sollen
passen und zu guter Letzt, soll das ganze auch noch edel drein schauen. Piiipaaapooo
- gefühlte 200 Schuhläden später - ich weiss nun was „Desigual“, „Mango“ und „Zara“
bedeutet – haben wir das exakte Objekt der Begierde noch immer nicht gefunden,
aber kennen nun alle Gassen in Barcelonas gotischem Viertel. Den Frust zu
ertränken ist in dieser Stadt wahrlich kein Problem und glücklicherweise gibt
es noch Taxis, die einem zu später Stunde zum bewachten Parkplatz bringen. Dass
der Wärter gerade eingeschlafen ist und wir völlig unbemerkt an ihm
vorbeikommen, lässt uns an der 30 Euro Investition dann doch etwas zweifeln,
aber zum Glück gibt es ja noch den italienischen Buschauffeur neben uns,
welcher um 03.30 Uhr Morgens den Reisecar für eine halbe Stunde warmlaufen
lässt. Zu Barcelona brauch ich euch ja sonst nix mehr zu sagen. Es ist
sicherlich eine der schönsten Städte der Welt und wer ihrem Zauber verfallen
ist, kommt stets wieder zurück.
Wir können uns kaum losreissen von dieser schönen Gegend und
den tollen Leuten, die wir hier treffen und zögern unsere Abfahrt immer wieder
hinaus.
Allerdings hält sich der Erfolg am Delta in Grenzen. Zum glück übernachten wir gratis, weil der Inhaber des Fischerladens uns seinen Nachtwächter als persönlichen Aufpasser abdétachiert. Die 150 Kg Manneskraft sollten die Einbrecher abhalten.
Pura
Vida!
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