Dienstag, 18. November 2014

Ab in den Süden!


Bilder Mit dem November ist das ja so eine Sache. Er kommt mir manchmal vor, wie die Kartoffeln in den Älplermagronen... Es braucht sie zwar, aber niemand mag sie so wirklich. Deshalb zischen wir ab in Richtung Süden, wo die Temperaturen ja noch Zweistellig sein sollen – ohne ein Minus davor. Das Abschiedsbier an der Alexander-Bar wird (wer hätte das gedacht) zum Abschiedsfass. Aber wir freuen uns extrem, so viele Freunde vor der Abreise nochmals zu treffen. Der Plan lautet: „Wenn wir rechtzeitig abfahren, schaffen wir es locker über die Grenze und schön nach Frankreich rüber“. Denkste. Abfahrt erst nach dem Mittag. Kater wie der, von Sigfried und Roy. Powernap in Gunzgen. Merci Petra&Hasi für’s Überhocken – und seid versichert: Gunzgen ist eine Reise wert! 


Nach einer Nacht in „Rolle“ am Genfersee (ohne „Mont sûr“) queren wir dann anderntags die Grenze zu Frooonkreisch. Schon bald stellt sich heraus, dass Les Bleus extrem gerne unser Nummernschild lesen. Nicht, dass wir langsam fahren würden, aber die Jungs hocken auf, als möchten sie mit ihren Peugeots 205 einen Jungen Terence zeugen. Abrupt ausgeführte Ausweichmanöver aufgrund imaginärer Schlaglöcher schaffen Abhilfe und bringen auch ein wenig Spass und nervöse Lichthupen. Wir landen in Sisteron und schlafen auf einem Stellplatz am Fuss der Zitadelle, welche wir natürlich auch besteigen. Kann man nicht meckern – saubere Sache diese Mittelalterstadt. 

Und nun kommt Napoleon ins Spiel. Weil es ihm mit seinen Jungs in Cannes wohl nicht gefallen hat (Cannes aber auch Nizza gewesen sein), hat er sich damals, zurück aus dem Exil, aufgemacht in Richtung Norden. Den Weg, den er dabei gewählt hat, ist heute als eben diese „Route Napoleon“ bekannt. Wir haben ja doch schon die ein oder andere Strasse befahren, aber gegen diese Strecke sehen Norwegens Atlantikstrasse und die Australische Great Ocean Road so blass aus, wie der Hintern einer Klosterfrau. Wir müssen an jeder Ecke anhalten um das auch fotografisch festzuhalten. Die Bäume schauen aus, als wären sie in den Farbtopf gefallen und dauernd schlängelt sich ein Fluss zwischen den Rebbergen durch. Das ist einfach grandios. Vive la France!


Irgendwann sehen wir dann das Mittelmeer und stechen von den Bergen runter an die Côte d’Azur. Tönt schon mal gut. Schnell noch Shorts und T-Shirt montiert und schon geht’s an die Strandpromenade von St. Maxime. Es reicht gerade noch zum Sunset Drink.  Doch die Leute laufen alle in Pullis, Jacken und Jeans rum und in den Strassencafés werden die Heizstrahler angemacht. So lange sie nicht noch Kafi-Träsch im Beckli ausschenken und „Anton aus Tirol“ anstimmen, lassen wir’s ihnen durchgehen – die sind sich halt andere Temperaturen gewohnt.

Anderntags fahren wir nach Cannes und schauen auch in St. Tropez vorbei. Den Kauf einer Jacht können wir uns gerade noch so verkneifen und auch der VIP Club ist zum Glück schon zu. Das ist hier wie ausgestorben. Selbst in Port Grimaud ist nicht mehr viel los, abgesehen von den deutschen Seniorenreisen die ganz tief in die Sprachenzauberkiste greifen, wenn sie den Kaffee mit Doppelrahm bestellen müssen. Tja, wärt ihr damals nicht nach Russland...
Dann geht’s in die Camargue, auf den Camping de la Brise. Und das kann man dann mal wörtlich nehmen. Terence schwankt im Wind, wie ein Chinese beim Verlassen des Augustinerzelts und selbst die halb wilden Pferde, die hier rumlungern, wie Werkschüler vor dem Aldi, verkriechen sich ins Gebüsch. Ein veritabler Sturm statt nur ne’ leichte Brise. Wie immer versuchen wir möglichst an der Küste entlang zu fahren und plötzlich stehen da noch Flamingos irgendwo im Tümpel rum. Nicht die Schlagersänger – sondern echte Flamingos. Sachen gibt’s.

Je näher wir der Spanischen Grenze kommen, desto Abwechslungsreicher wird die Landschaft. Kleine Buchten fressen sich in die roten Felsen rein und die pittoresken Dörfer reihen sich wie die Perlen einer Kette an die Küstenlinie. Es ist halt schon schön, wenn’s schön ist. Plötzlich steht da ein Schild, welches besagt, dass wir nun in Spanien sind. Ich mache allerdings jede Wette, dass die örtliche Polizei jede zweite Woche ausrücken muss, um den „Catalunya“ Schriftzug über dem durchgesprayten  „España“ zu entfernen. „Chindschöpf!“ Natürlich zieht es uns nach Tossa de Mar und Llorett de Mar. Mal schnell nachschauen, ob die Stätten unserer spätpubertären Alkoholexzesse noch stehen. Also Jungs, das Move-Gaga, das Hollywood und das St. Trop sind noch da. Sorry Guido und Fibi – ich hätte euch gerne ein „Valentinos“ T-Shirt mitgenommen, aber die 10 Tequilas, die man weghauen muss um dieses zu kriegen, vereinen sich nicht mehr mit meinem Jahrgang, aber für eine Bubenreise wäre hier noch alles bereit. Steht ein Polterabend an?

Dann Barcelona... auch hier waren Sabrina und ich schon öfter – allerdings noch nie gemeinsam. Habe gar nicht gewusst, dass die Stadt auch bei Tag etwas hergibt. Terence parkieren wir beim Olympischen Museum für schlappe 30 Euro pro Nacht in einer bewachten Anlage und dann geht’s ab ins Getümmel. Mit dem Fahrrad hoch bis zum Montjuic ging auch schon ringer - aber Sabrinas Laune ist bedeutend besser als am Prejkestolen. Dann sieht sie in der Stadt an jeder Ecke eine Frau, welche diese komischen Schuhe trägt, welche ausschauen wie ein paar Turnschuhe mit zugewachsenen, hohen Absätzen. Jede Frau, welche nun an uns vorbeigeht wird genau beäugt (was ich grundsätzlich OK finde) und trägt sie eben diese Schuhe, wird sie sofort eifersüchtig zur Feindin erklärt. Die weiblichen Leserinnen wissen jetzt ganz genau worum’s geht. Für die Männer gilt:  Weiter zum nächsten Abschnitt! Ab sofort ist das erklärte Ziel meiner Angetrauten nämlich, sich selber in den Besitz eines Paars dieser erlesenen Treter zu bringen und dies dürfte, in Anbetracht der Auswahl an Schuhläden, kein Problem sein. 
Ich tue, was man in solchen Momenten immer tun sollte: Hinterherlatschen und ein interessiertes Gesicht aufsetzen. Es geht ja nicht nur um das richtige Modell, sondern auch Farbe, Art der Verschnürung, die Höhe des Absatzes, Material und Grösse sollen passen und zu guter Letzt, soll das ganze auch noch edel drein schauen. Piiipaaapooo - gefühlte 200 Schuhläden später - ich weiss nun was „Desigual“, „Mango“ und „Zara“ bedeutet – haben wir das exakte Objekt der Begierde noch immer nicht gefunden, aber kennen nun alle Gassen in Barcelonas gotischem Viertel. Den Frust zu ertränken ist in dieser Stadt wahrlich kein Problem und glücklicherweise gibt es noch Taxis, die einem zu später Stunde zum bewachten Parkplatz bringen. Dass der Wärter gerade eingeschlafen ist und wir völlig unbemerkt an ihm vorbeikommen, lässt uns an der 30 Euro Investition dann doch etwas zweifeln, aber zum Glück gibt es ja noch den italienischen Buschauffeur neben uns, welcher um 03.30 Uhr Morgens den Reisecar für eine halbe Stunde warmlaufen lässt. Zu Barcelona brauch ich euch ja sonst nix mehr zu sagen. Es ist sicherlich eine der schönsten Städte der Welt und wer ihrem Zauber verfallen ist, kommt stets wieder zurück.

Dann geht’s weiter an den Rio Ebro. Genauer gesagt in’s Fischercamp von Andree’s Angelreisen in Riba Roja. Der Ebro ist für Angler, wie Phuket für die Sextouristen... einmal im Leben musst du deinen Wurm dort gebadet haben! Die Guides vor Ort nehmen sich unser an und organisieren im Handumdrehen unsere Lizenzen und statten uns mit dem nötigen Know How aus, das man braucht, um im Stausee des Ebros erfolgreich zu Fischen.  Commandante Franco hat hier nämlich den gewaltigen Fluss stauen lassen und dabei ein ganzes Tal samt Dorf und Kirche geflutet. Gut, für einige Fischarten, welche dann dorthin „importiert“ wurden, schlecht für die Bewohner des Dorfes, welche mit gütiger Mithilfe von Maschinengewehren „exportiert“ wurden.  Einzig der Kirchturm von Fayon, welcher wie ein Mahnmal aus dem See ragt, erinnert an diese grauenhafte Episode Spanisch-Katalanischer Geschichte. Der gute Heinrich nimmt uns mit auf den Stausee und zeigt uns die besten Angelstellen und Techniken, damit wir dann anderntags selber unser Glück probieren können. Genau beim besagten Kirchturm scheppert’s dann zum ersten Mal richtig und wir können einen schöner Zander landen, der wohl eben gerade dem Beichtstuhl entflohen ist. Dazu gibt’s einige kapitale Egli über der magischen 40er Grenze. Ob die Grösse der Fische mit dem nahe gelegenen Kernkraftwerk in Verbindung steht, lassen wir mal offen und freuen uns ganz einfach über die tollen Fänge. 

Abends gehen wir dann mit den Guides ins Dorf zum Essen... und Trinken. Tja Leute, für 40 Euro pro Person schlagen wir uns die Bäuche voll - ein Atomrausch im Preis inbegriffen. Lag es am Wein, dem Bier, der Flasche Brandy oder der Buddel Jägermeister zum Dessert... ich weiss es nicht mehr, aber anderntags ist dann erst Mal nix mit „Morgenstund hat Gold im Mund“.  
Wir können uns kaum losreissen von dieser schönen Gegend und den tollen Leuten, die wir hier treffen und zögern unsere Abfahrt immer wieder hinaus.



Irgendwann geht’s dann aber weiter und wir folgen dem Ebro bis zum Delta, wo er ins Meer mündet. Hier wird der Grossteil an Reis angebaut, welcher in Europa auf den Tisch kommt - sagt man uns und wir glauben’s halt einfach mal. Und zu Reis passt...? Genau. Fisch. 
Allerdings hält sich der Erfolg am Delta in Grenzen. Zum glück übernachten wir gratis, weil der Inhaber des Fischerladens uns seinen Nachtwächter als persönlichen Aufpasser abdétachiert. Die 150 Kg Manneskraft sollten die Einbrecher abhalten.

Die nächtlichen Temperaturen sinken hier allerdings schon ziemlich tief und so beschliessen wir, weiter in den Süden zu ziehen. Wir kriegen dabei nun zu Genüge das „hässliche“ Spanien zu sehen. In den 80er und 90ern ging’s den Jungs hier so gut, dass ein jeder sich Ferienapartments leisten wollte. Die Banken haben Kredite mit 0 Prozent Anzahlung vergeben und so entstanden potthässliche Betonbunker-Siedlungen dem ganzen Meer entlang. Als dann die Finanzkrise kam, war ganz schnell fertig lustig und aus den Ferienorten wurden Geisterstädte. Üüüüble Sache Maloney! Mit jedem Kilometer, den wir gen Süden ziehen, wird es aber auch etwas wärmer. Tarragona, Valencia, Andalusien, wir erreichen die 25 Grad Marke.... Freunde, wir wissen nun ganz genau, wo der Samichlaus seine Orangen klaut. Das ist hier eine einzige Plantage. Das Grundwasser muss man sich halt denken. Naja, Hauptsache Europa kann das ganze Jahr über spanisches Gemüse kochen. Komisch, von dieser Art „Ökologie“ sprechen die Vegetarier irgendwie nie... Dafür sind wir am Ziel unserer November-Depressions-Reise angelangt: Almeria. 340 Sonnentage, 25 Grad, Camping am Strand und Bier für einen Euro. Das meckern überlassen wir den Bergziegen, welche über uns am Hang rumlungern. Wäre alles super, wenn nur nachts das Rauschen der Wellen nicht wäre – aber wir werden uns dran gewöhnen. 
Pura Vida!


Mittwoch, 22. Oktober 2014

Ganz schön schön bei Dänen


Bilder Besonders einfallsreich waren die Kollegen hier oben ja nicht, als sie Ihre Städte benammst haben. Vom schwedischen Helsingborg nehmen wir nämlich die Fähre rüber nach Dänemark und landen in Helsingor. Hier ist die engste Stelle des Öresunds, welcher die beiden Länder trennt. Da die Schiffe hier durch mussten und man dadurch ordentlich Kronen für die abkassieren konnte, haben haben sie hier ein Schloss hingestellt: Die Kronenburg. Auch Hamlet soll sich hier rumgetrieben haben. (Nur Falls Jauch mal fragen sollte und ihr keinen Telefonjoker mehr habt. 




Uns gefällt es hier auf Anhhieb sehr gut. In Norwegen und Schweden haben wir oft die Restaurants und Bars vermisst. Sobald man dort nämlich eine Stadt verlässt, ist kulinarisch gesehen Flaute angesagt – anscheinend ist es selbst für die Einheimischen zu teuer auswärts zu essen bzw. zu trinken und so ist die Restaurant-Kultur auf dem Skandi-Lande nicht gerade ausgefallen. Dafür kommen die Schweden gerne mit der Fähre hier rüber decken sich mit Hochprozentigem ein und knallen sich günstig die Birne weg. Wir schlendern durch die Altstadt, vorbei an gefühlten 87 Alkoholshops und passieren dabei eine Modeboutique. Die Shopping Queen zeigt dann, wie Frau aus einem potentiellen „DasChleidwürdmeretznogfalle“ , zwei „ichhamichwirklichnedchönneentscheide“-Abendkleider macht. Da es hier wie gesagt, an jeder Ecke eine Bar gibt, beschliessen wir,  uns quasi zur Feier des Tages zu betrinken, was für einen Mittwoch erstaunlich gut klappt und da die Dänen auch kein Volk von Traurigkeit sind, können wir obgenanntes Tagesziel sogar in Begleitung des Urvolkes realisieren.


Bevor wir die Landeshauptstadt besuchen, umrunden wir den Nordteil der Insel Zeeland, auf der wir uns nun befinden. Kleine Fischerdörfer mit idyllischen Häfen reihen sich hier aneinander und wir cruisen gemütlich dem Meer entlang. Hier ist gut sein! Eines Abends suchen wir uns einen kleinen abgelegenen Campingplatz aus, den wir erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit finden. Leider ist die Saison aber vorbei und die Betreiber sind abgereist. Wir beschliessen, aufgrund der einsetzenden Dämmerung trotzdem auf den Platz zu fahren und verbotenerweise „Wild“ zu campen. Es gibt etwa 50 freie Plätze. Wir suchen uns den vordersten, der etwas versteckt hinter einigen Bäumen, direkt beim Strand liegt und fahren dort auf das Sandbett wo man im Sommer wahrscheinlich Zelte aufschlägt. 

Ähhhhhmmmm, warte mal, sagte ich eben Sandbett? Sandbett!!!! Tja, und bevor wir Gelegenheit hatten, es uns noch mal anders zu überlegen, schicke ich Terence per Retourgang und durchdrehenden Reifen einen Stock tiefer im Sandbett. Houston Control, we have a problem!  „Nana, schön cool bleiben!“, sagt Mac Guiver in mir. „Erst mal einige Äste in den Sand legen, Rückwärtsgang und dann hopplahü!“ Mit dem Resultat, dass Terence nun bis zum 2. UG im Sand steckt. Ich tue, was man in solchen Fällen immer tun sollte: Fluchen.
2 Stunden später hat sich tiefe Dunkelheit über den verlassenen Campingplatz gelegt, dem abwesenden Betreiber fehlen einige Dachlatten, ein Türvorleger, ein Gitterrost und 3 Steinplatten seiner Veranda. Wir wissen derweil genau, wo man bei Terence den Wagenheber ansetzen muss und können uns aus dieser „Tubel- Trophy retten.  Soviel zum Thema „Wild campen“ – Danke Campinggott, dass du uns in deiner Grösse wahre Demut gelehrt hast. (Hueregopferdtaminunemal).

Dann geht’s nach Kopenhagen und wir mischen uns per Velo unter die Einheimischen. Die Fahrradstreifen sind fast so breit, wie bei uns die Autobahn. Samstag Nachmittag um 16.00 Uhr sieht’s in der Altstadt Kopenhagens etwa so aus wie am Schmutzigen Donnerstag um 05.00 Uhr in der Weggisgasse. Natürlich genehmigen wir uns auch ein Hopfengetränk in Nyhafen. Dies ist eine Touristenmeile, direkt am Hafenkanal mit viel Volk, Restaurants, alten Schiffen, Strassenmusikanten und osteuropäischen Hutverkäuferinnen. Der Service ist so im Seich, dass der Tisch vor uns 5 mal frisch besetzt ist, aber niemals bedient wird. Quasi wie im Gratbeizli, einfach ohne Schnee. Wir haken das ganze Touri Programm in 3 Tagen ab und besuchen dabei auch den bemerkenswerten Stadtteil „Christiania“.  

Dort haben die 68er als sie von Woodstock zurückgekehrt sind wohl einen Platz gesucht, um ihre Batik T-Shirts zu trocknen und haben mitten in der Stadt ein ehemaliges Militärareal besetzt und sich dort Zaffareia-mässig verschanzt. Alle Versuche der Politik und der Polizei, das Areal und die Häuser zu räumen blieben erfolglos und damit die Politiker nicht voll bescheuert aussehen, haben sie das ganze später als „Soziales Experiment“ betitelt und so wird das bis Dato geduldet. Die Kommune regiert sich selbst und ist quasi ein eigener Staat im Staat. Es riecht, wie im Raucherabteil der Zugstrecke Trenchtown – Kingston, die Häuser sind bunt bemalt und fotografieren ist strengstens untersagt, da Drogen ja offiziell eigentlich verboten wären und es nicht alle so supi finden, wenn sie beim Dealen geblitzt werden. Dafür hat’s einige andere coole Regeln wie z.B. Nicht rennen – es könnte Panik entstehen, oder: Hunde dürfen nicht angeleint werden. (Ich glaube, „Duschen verboten“ ist auch ein ungeschriebenes Gesetz.) Uns gefällt’s hier in diesem Utopia saugut. Die Leute sind easy drauf, alles ist schön farbig angemalt und sehr relaxt und Probleme gibt’s im Touri Viertel bestimmt mehr, als hier bei den Kommunisten.  Beim Verlassen des Areals steht ein Schild: You are now entering the European Union – na dann Prost!   

Nach Kopenhagen geht’s runter auf die Insel Mön und ihre berühmten Kreidefelsen. Als Meerforellen Fan muss man wohl einmal im Leben vor dieser imposanten Felswand geangelt haben – auch wenn Petrus uns für einmal nicht hold ist – schön wars trotzdem.  Tags darauf regnet es dann und wir gehen ins hochgepriesene moderne Museum für Erdgeschichte. Als wir gegen 13.00 Uhr reinkommen, fällt schnell auf, dass wir wohl die einzigen Gäste sind. Der Typ an der Kasse meint, er hätte schon nachgeschaut, ob die Eingänge wirklich offen seien. Naja, uns soll’s recht sein. Privatmuseum mit eigenem 3D Kinosaal. Kannste nisch meckern!

Wir haben auf dem Ipad so eine Campingplatz-App, welche offline funktioniert. Es steht allerdings nicht, wie die Plätze ausschauen und was sie so bieten, sondern nur Name und Koordinaten. Wir suchen uns immer die abgelegenen Plätze, möglichst ohne Kinder Gumpiburg, Animationsprogramm und Swimming Pool. So findet Sabrina dann auf der Insel Fünen den Naturalist-Camping. Tönt doch gut, denken wir uns, so schön in der Natur. Nix wie hin, auch wenn die anfahrt etwas dauert! Tja, die französisch Sprechenden unter euch haben’s natürlich schon gemerkt und wir merken’s dann beim Eingang zum abgelegenen Camping-Naturaliste, was an diesem Platz so natürlich ist...Spätestens beim FKK-Schild am Eingang, geht uns dann auch ein Licht auf. Tja, soooo natürlich muss es dann doch nicht sein und so dreht das „Frischfleisch für die Bungabunga Party“ zur allgemeinen Enttäuschung der Stammgäste kurz vor dem Eingang wieder ab.

Von Fünen setzen wir mit der Fähre über auf die Insel Aerö. Dort treffen wir Roli, Gerard und Rolf, drei Fliegenfischer Kollegen aus der Schweiz mit denen wir gemeinsam einige Tage lang dem „Silber der Ostsee“ nachstellen wollen. Rolf bekocht uns fast allabendlich und hat den „Humidor auf Mann“, Roli zaubert „Graved Seatrout“ und versorgt uns mit den fängigen Fliegen und dem ein oder anderen Whiskey und Gerard ist für Fondue und Wurfinstruktionen zuständig: Wir sind ein tolles Team und können auch einige Meerforellen überlisten! Ganz zum Schluss kann Sabrina dann sogar noch ihre erste Mefo an der Fliege fangen – Petri Heil!

Mittlerweile stehen wir schon tief im Oktober drin und auch wenn wir super Wetter hatten, werden wir wohl zum Heizen den Kühlschrank aufmachen, wenn wir noch länger hier bleiben.

Auf dem Südweg dürfen wir ja noch durch den grossen Kanton.  Am Nord-Ostsee Kanal schlafen wir direkt neben den vorbeiziehenden Ozean Riesen. In Dresden bestaunen wir die Frauenkirche, die Schatzkammer und testen die Wirkung von 1,5l Paulaner auf den Magen-Darm Trakt. Im mittelalterlichen Bamberg speisen wir Wildschwein zu den Klängen der heimischen Jagdbläser und in den Satdtmauernvon Rothenburg ob der Tauern ist alles noch so wie anno domini - und das ist gut so. Hier gibt es geschätzte 50 Touristenshops, die alle etwa dasselbe verkaufen und trotzdem gut leben...vielleicht sollten die  Rigianer mal eine kleine Studienreise unternehmen.

Dank unseren Freunden des Osterhasen Clubs krönen wir den Abschluss von Teil 1 dieser Reise mit einem Aufenthalt im „Kuschelhotel Gams“.  Danach legen wir einen kurzen Pit-Stop in Weggis bei Angie&Büschés Hochzeit ein, bevor’s dann in den Süden geht.  Wohin, das wissen wir noch nicht genau, aber wer einen Reiseführer für Italien, Südfrankreich, Spanien oder Portugal rumstehen hat, und sei es auch nur eine Region,  der dürfte sich gerne bei uns melden, wir würden diesen gerne ausleihen – sonst landen wir wieder beim FKK.

Wer Zeit & Lust hast....wir sind am Freitag Abend im Pöstli – wenn’s noch offen ist J

Stay tuned...

Pfnueli & Sabrina

Dienstag, 30. September 2014

Alter Schwede!

Bilder Wer von Norwegen nach Schweden rüber will, der muss übers „Fjäll“, über den Berg also. Und was es da „oben“ zu sehen gibt, bezeichnete man früher als atemberaubend schöne Wildnis, in der sich Fuchs und Hase gutenacht sagen. Heute würde man das wohl eher als „sackgeil“ betiteln. Zumal sie nun im Herbst die Wälder ganz anders gestrichen haben als noch im Sommer, was wohl eine heiden Arbeit ist, da es davon ganz schön viele gibt. Da die meisten Bäume aus Schweden früher oder später als Ikea Schränke in euren Zimmern stehen werden, kann ich euch schon jetzt verraten, dass ihr euch freuen könnt! Den Bäumen hier geht es gut, es gibt kaum Mästereien und nur wenig Massenhaltung in schlecht belüfteten Ställen. Also ruhig schon mal den Schrank Björn oder das Bett Gudvik bestellen!   


Wir beschliessen, ein wenig in dieser hügeligen Region zu bleiben und nachdem wir unsere Vorräte in der Stadt Östersund aufgestockt und im Mc Doof einen Thermoplan Kaffee getrunken haben,  geht’s schon bald raus in die Region „Hjärdalen“. Da die Forellen ab  September in Schwedens Fliessgewässern Schonzeit haben, suchen wir, (bzw ich...)  uns einen Fluss, an dem wir noch Äschen fischen dürfen und wir werden bei Murats Bruder, dem Harkan River fündig.  Unsere selbstgebundenen Fliegen bringen sehr guten Erfolg und so können wir einige dieser schönen „Fahnenträger“ überlisten.

Vorbei an Rentierherden cruisen wir einsam durch’s Hochland und erwarten an jeder Ecke den Schwedischen Tourismus Minister, der uns die Ehrenmedaille für „Die letzten Touris 2014“ umhängt. Nachts wird es schon ziemlich kalt und da wir nun verheiratet sind, müssen wir auch nicht mehr kampfkuscheln wie in Neuseeland – wir haben nun einen Heizofen. Tja, so geht das halt gell. Im Sonfjällets Nationalpark soll es die dichteste Population von Bären in ganz Schweden geben und so erklimmen wir den Lillefjället, um das ganze mal aus der Vogelperspektive zu betrachten. Über der Baumgrenze können wir einen herrlichen Ausblick geniessen – aber wo sind die Bären? Wir sehen nur einen Hubschraubär und finden am Wegrand viele  Blaubären. Letztere sind hier wirklich gut vertreten und schmecken auch ganz lecker, aber die haarigen Genossen zieren sich.

In Tännas besuchen wir das Moschusochsen Zentrum. Wir begeben uns mit einer kleinen Gruppe auf eine geführte Tour und sind ganz gespannt, wie die Teile wohl aussehen. So eine Herde stapfender Megakühe, die genau genommen eigentlich eher Ziegen sind,  muss doch bestimmt eindrücklich sein und aus der alten Denim-Werbung wissen wir ja, dass die Dinger gut riechen müssen.  „Weltweit gibt es nur noch etwa 4000 Myskoxen“, erklärt uns der freundliche Guide, „und hier in Schweden gibt es genau 7 Stück und 4 davon  sind bei uns im Gehege“.....?!?
Tja, da hätte Fam. W. aus W.  wohl das Kleingedruckte besser lesen sollen... Die handvoll Moschusochsen, die es hier mal gab, sind flüchtige Norweger, welche wohl den Kompass verlegt haben und weil die Schneemobile sie zu stark durch den Schnee gehetzt haben sind sie im Winter eingegangen. Nun haben die hier ein privates Zuchtprogramm gestartet und wildern von Zeit zu Zeit mal einen aus. Nix mit „stampede“ also – aber immerhin können sie hier nicht abhauen und da sie schön gefüttert werden, kommen sie auch tiptop vor die Kamera.

Lofsdalen ist ein Skiort und im Sommerhalbjahr gibt es hier einen Bikepark um den Sessellift auszulasten. Wir kaufen uns beim Mietcenter die Fahrkarten und versichern der Lady am Tresen, dass wir keine Rückenpanzer, Knieschoner, Handgelenkstützen und Sturzhelme brauchen. Wir haben ja unsere Mountain Bikes und wo Mountain draufsteht... aber Hallo Meitschi! Wir versprechen dann, dass wir nicht gerade die Hardcore Piste nehmen und los geht’s!

Auch der Arnold Walti am Sessellift mustert uns etwas komisch und die Jungs mit den Downhill-Bikes in Vollmontur denken wohl dasselbe über uns, wie die Walliser Bergführer über osteuropäische Wanderfritzen am Matterhorn.

Wir starten auf dem grünen Easy Track, finden uns aber schon bald viel zu cool dafür, denn immerhin habe ich ja die Veloprüfung mit 0 Fehlern bestanden , das blaue Fähnchen bekommen und Sabrina hat im Fall „ein super Bike von Scheidegger“ - welches in seinen 10 Lebensjahren pro Geburtstag etwa einen Kilometer gefahren wurde.  So biegen wir auf einer Kreuzung vom „Easy“ zum „Venom-Track“.... Irgendwie nimmt das mit der Coolness nun in erschütternd hohem Tempo ab. Herr Wolf am Berg tut ganz schnell, was man in solchen Fällen immer tun sollte: Fresse halten! Wir kommen mit dem Schock davon und grüssen die Bikies lässig beim Zielhang - Jungs, die Knie zittern im Fall nicht von den  Bodenwellen. 

Nach der  Berg-Tour fahren wir nun südwärts ins Flachland in die Ferienregion um den Siljan-See. Wir finden einen etwas abseits gelegenen „Höbbeler-Camping“. Der Besitzer und sein Kumpel nehmen uns abends spontan auf ihrem Boot mit, um die Biber am See zu beobachten – genau so muss das sein. Freundlich, offen, nett  - die alten Schweden eben. Wir wollen uns mit Schnaps bedanken, aber obwohl beide aussehen, als hätten sie bis zur Pension als Tester bei Jack Daniels gearbeitet, lehnen sie ab:We drink no Alcohol ! Naja, selber Schuld, den Träsch kriegen wir gerne auch alleine getrunken Freunde.

In Säters stellt uns der freundliche Besitzer des Camping Platzes gratis ein Ruderboot zur Verfügung. „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, denken wir, doch als wir die Nussschale sehen, kommen dann doch leichte Zweifel auf, ob der obgenannte Hangbühler nicht vielleicht doch ein bisschen zu viel des Guten war. No Risk – no fun!   Wir überqueren damit den See und sind eigentlich gar nicht unglücklich, dass wir nix fangen, denn wir wären wohl in echte Schwierigkeiten gekommen, wenn da ein besserer Hecht eingestiegen wäre. Trotzdem können wir hier vom Ufer aus noch einige Hechte plagen, wie man auf dem Video sieht sogar auf Ansage (Sorry für den Ton – irgendwer hatte da den Daumen auf dem Mikro...)


Schon bald sind wir in Stockholm und weil die Stellplätze im Stadtzentrum schon geschlossen sind, müssen wir mit einem Camping vorlieb nehmen, der in einer Gegend 10km ausserhalb des Zentrums liegt und wo im Supermarkt das Fladen- deutlich vor dem Knäckebrot steht.

Mit der Metro geht’s dann rein in diese Hammer-Stadt und wir erkunden das Teil zu Fuss. Kann man nun echt nicht meckern. Wir spulen das volle Touri-Programm ab. Zu Fuss geht’s durch die Altstadt, Königsplatz, Changing of the Guards und blablabla.... kennt ihr ja. Wir kaufen ein geräuchertes Rentier und kratzen uns nebenbei schon bald die Resten eines Elch Entrecôtes aus den Zähnen. 


Wir singen Karaoke im ABBA Museum und gehen zum  Stockholm-Ballenberg aka Skansen. 
Eine Bootstour durch die Schären ist ebenfalls auf dem Plan. Bei dichtestem See-Nebel sieht man allerdings von Bord der Fähre von den 24'000 Schäreninseln etwa gleich viel, wie von der Barmaid in einem durchschnittlichen Amsterdamer Coffee-Shop, aber immerhin erscheint ab Mittag die Sonne und so hat sich das Aufstehen in aller Herrgottsfrühe um 08:30 Uhr doch wirklich gelohnt.  


Und nun passiert etwas, mit dem eigentlich niemand so wirklich rechnen konnte und wir stehen völlig konsterniert vor Terence und schauen nach oben, denn der Himmel weint. Ja Freunde, der Himmel weint echt! So macht das natürlich nur noch halb so viel Spass, aber damit war ja dann wohl zu rechnen, wie könnte es auch anders sein - es ist immerhin unser Hochzeitstag. So fahren wir dann kreuz und quer durch Südschweden, ohne richtigen Plan und das ist genau, was uns passt. Obwohl nun hier wirklich nix mehr los ist. Janu, gehen wir halt Fischen J.

Zum Abschied aus Schweden werden wir dann bei einer Baustelle auf der Autobahn trotz Verbot überholt und wir gedenken Neal Armstrongs Worten: „Ein kleiner Stein für die Menschheit – ein Felsbrocken für Terence’s Windschutzscheibe!“  Und so haben wir nun einen Sprung in der Schüssel – aber das hat der geneigte Leser ja schon selber gemerkt.

Wie wir die Tubel Trophy gewinnen, indem wir Terence bis zum Anschlag im Sand versenken ist eine andere Geschichte, für’s erste muss das reichen...

Stay classy San Diego!