Sonntag, 31. Januar 2010

Argentinien - Chile

Bilder Flippers schwarze Freunde sind nun also die ersten Chilenen, welche wir treffen (die hab ich mir irgendwie anders vorgestellt). Von Punta Arenas geht's nach Puerto Natales. Dort machen wir wieder mal den alten Fehler und gehen mit jemandem mit, der uns vom Busbahnhof mittels Flyer in seine schäbige Hütte lotst: "Ey chicos, wir haben ein Luxus-Backpackers mit Hallenbad und 15m Sprungturm" oder so... Das ganze stellt sich dann als Notschlafstelle mit zugehöriger Psychiatrie-Abteilung heraus, das Frühstück wird im Schlafanzug serviert derweilen der Hostelchef gerade im Knast logiert - wir finden tags darauf was Besseres. In Puerto Natales dreht sich alles um den Nationalpark "Torres del Paine". Da wir jetzt nicht gerade so die Wanderfritzen sind und uns nicht bei der Reihe mit den skistocktragenden Endvierzigern anstellen wollen, machen wir die "hard-core-ja-ich-bin-zu-faul-zu-laufen-Touribus-Tour". Dafür winken wir den wandernden Vögeln im Regen dann "ätsch-bätsch-jetzt-nützen-euch-die-killer-imprägnierten-500-Franken-Jack-Wolf-Mammut-Columbia-Jacken-einen-Scheiss" zu.
Als eigentlicher Förderer bolivianischen Liedgutes ist mir persönlich ja der Song "el condor pasa" ziemlich an's Herz gewachsen - das können die Eglichutzler unter euch bestätigen. Nun kommt es aber zur Premiere und wir sehen im Park eine Gruppe von schätzungsweise 30 Kondoren über uns kreisen - vielleicht lahmt ja eine der Jack Wolfskin Stockenten. Sabrinas ruhiges Händchen, gepaart mit einem 20X-Zoom, ergibt dann ganz anständige Bilder. Am Nachmittag zeigen sich dann auch noch die drei Torres (Türme) aus der Ferne und wir besichtigen eine Höhle, in welcher anscheinend mal so grosse Viecher gehaust haben. Es schaut aus wie in der Höhle ob Vitznau, mit dem Unterschied, dass hier noch Feten organisiert werden. Bald darauf folgt ein weiteres Highlight einer jeden Argentinien Reise: Der Perito Moreno Gletscher in El Calafate. Dieser ist einer der wenigen ultra Eisdielen die noch wachsen (typisches Verweigererkind der Klimaerwärmung - mir doch scheissegal, ich wachs weiter, wie und wann ich will). Und tatsächlich, man kann das Eis knacken hören und alle paar Minuten kommt es zu einem spektakulären Abbruch. Natürlich giesst es an diesem Tag wie aus Kübeln. Wir harren aber mit den Kameras ganze 2 Stunden aus und können den ein oder anderen kleinen Abbruch festhalten.
Nach El Calafate verbringen wir zum ersten mal 24 Stunden im Bus. Wir müssen erst an den Atlantik rüber um von dort nach Esquel zu gelangen. Immerhin erleben wir einen hammer Sonnenaufgang im Bus und ich werde von den Einheimischen auf's Mate-trinken eingeschwört. In der Nähe von Esquel gibt's den Nationalpark "Los Alerces" und wir packen wieder mal die Angelruten aus. Sabrina kann am Lago Menendez eine schöne Regenbogenforelle landen und zwei Drills eines nicht namentlich erwähnten Fischers neben ihr Filmen. An diesem Tag werden wir vier Mal kontrolliert - zum Glück haben wir die Jahreslizenz gekauft. In Esquel besteigen wir auch einen schmalspur-Zug namens "La Trochita". Voll tourimässig, aber jeden Peso wert. Bloss die engen Bänke der Zwergenbahn könnten mal auf Basketballer-Grössen angepasst werden. Einen Katzensprung von 6 Busstunden weiter kommen wir in's Backpacker-Mekka San Carlos de Bariloche. Ich habe noch nie einen Busbahnhof mit so vielen Rucksäcken gesehen. Bariloche ist das Herz der argentinischen Seeenregion und des "Nahuel Huapi Nationalparks".
Wir wollen hier mit einem Mietauto möglichst schnell aus der Stadt, doch sagt man uns, das erste freie Auto stünde mitte Februar zu Verfügung. Naja, gerade so lange bleiben wir dann doch nicht hier. So telefoniere ich mich durch die Liste der 86 Vermieter, lerne dabei das Sätzchen "Hola Jefe, tiene usted coches disponibles?" auswändig und kann einen Grosserfolg mit Kleinwagen verbuchen. Für schlappe 160 Pesos gibt's zwar auch hier keinen Offroader, dafür aber einen silbernen Fiat UNO Jahrgang uralt und zwar per sofort. So tuckern wir 3 Stunden später mit ausreichend Wein und Verpflegung im Kofferräumchen durch die Prärie -Yeeeehaaaaa! Wir beangeln unter anderem auch den Rio Pichileufu - das allein wär noch nicht besonders spektakulär. Die Fahrt dorthin aber umso mehr. Der Silberpfeil von Fiat wird aufs Härteste gefordert. Als wir keine Strassenschilder mehr finden, fahren wir halt nach Gespür. Das kommt immer gut... Wir nehmen uns die einzelnen Seeen und Flüsse in der Region vor, wandern mückentötend durch's Unterholz und hauen den Forellen die gebogenen Kupferdinger um die Ohren. Mit mehr oder weniger Erfolg. Lustig wird's dann, wenn Sabrina einen Hänger hat. Aus dem Lexikon für Nichtfischer: Hänger; Mit dem Köder am Seegrund festhängen. Siehe auch: Bodenhecht. Während ich dann meistens zerre bis die Schnur reisst, watet meine Freundin ganz schön sexy in Unterhosen in's eiskalte Nass, um das Stück Blech zu retten. Das freut nicht nur die Forellen, die sie von unten fast stürzen sehen, sondern auch die Angler um uns herum. Mit der Fliege (selbes Lexikon unter "F" schauen), gelingt uns dann noch ein Fang einiger kleiner Silberlinge.
Leider erwischt mein Schatz die Sommergrippe und ich verknackse mir am zweitletztem Tag ordentlich den Fuss. Dank dem Wagen können wir die herrliche Region aber auf's Beste erkunden und statten auch der Colonia Suiza einen Besuch ab. Is aber nix, schlechte Pflasterstrassen - das kann gar nichts mit der Schweiz zu tun haben.

Zum Abschluss unseres Argentinien Trips geht's nun hoch nach Mendoza  in die Weinberge. Auf dem Weg dorthin gibt's im 16h Bus ein Lotto und "wereliwer" darf wohl als erste "BINGO ANDESMAR" rufen? Natürlich meine Freundin! Der Service Typ und Zahlenleser vom Bus hat sie vorher schon angequatscht und hat sich anscheinend die Zahlen auf ihrem Zettel gemerkt, um den Siegerkuss zu sichern. Resultat: Sabrina gewinnt und ist glücklich, ich habe ein Flasche Wein und der Typ kommt voraussichtlich nächste Woche wieder aus dem Spital. Prima.
Immerhin - die Flasche Rotwein zum Nachtessen schaffen wir inzwischen täglich - also können wir dieses Projekt nun langsam aber sicher auch auf's Mittagessen ausdehnen. Ihr seht, auch wir haben unsere Neujahrsvorsätze. Mendoza 42 Grad, Frisur hält dank Coiffeur. Wir ketten uns an die Air Condition im Hotel wie die Greenpeace-Aktivisten an die Regenwaldbäume. Bloss für eine Wein-Olivenöl-Schnaps Degustation lassen wir uns aus dem Zimmer locken... Der Zweck heiligt die Mittel!

Eine spektakuläre Busfahrt bringt uns über die Anden nach Chile. Hier verleben wir unsere letzten Tage auf dem südamerikanischen Festland in Viña del Mar und Santiago de Chile. Am 2. Februar geht's auf die Osterinseln und dann nach Tahiti. Die Kappen und Handschuhe haben wir verschenkt - ab sofort wird bei der Hotelsuche dem Begriff "aircondition" besondere Aufmerksamkeit geschenkt und die Flip-Flops finden zusammen mit den Shorts ihren Weg aus den Tiefen unserer Backpacks.

Ah ja, die Sache mit der "Grössten Forelle-Abstimmung". Der geneigte Leser wird erbeten, in diesem Falle erneut bereits erwähntes Lexikon zu konsultieren und unter "S", wie "Scheff" nachzuschlagen.

Wir wünschen einen schönen Egliball und grüssen mit Eviva España!

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